Zoesch

20. Januar 2002

Fotografie und bildende Kunst

Abgelegt unter: Fotografie — Zoesch @ 23:05

Was für eine Kostbarkeit die Zeit sein kann. Nein, was für eine Köstlichkeit. Man möchte geradezu in sie hineinbeißen und sie essen, sich von ihr ernähren.
(Peter Handke)

Der kategoriale Unterschied zwischen Fotografie und bildender Kunst. Oder warum die Fotografie einen Authentizitätsanspruch erheben darf, der der bildenden Kunst fremd sein muss.

In der bildenden Kunst nimmt der Künstler die Welt wahr, verarbeitet sie in seinem Geiste, nimmt sich ein Material und schöpft das Kunstwerk. Alleine der Künstler wirkt auf sein Kunstwerk ein. 
Nur die Handlungen des Künstlers, die getriggert sind durch seine Wahrnehmung der Welt, haben das Kunstwerk gestaltet. Die Wirklichkeit selbst war völlig unbeteiligt am Schöpfungsprozess.
 Ein solches Kunstwerk kann also nichts weiter sein als die beliebige Artikulation eines Menschen, der sich entschlossen hat, seine Wirklichkeitswahrnehmung zu kommunizieren.

Die Fotografie jedoch baut auf dem Fundament der ursprünglichen und unmittelbaren Verbindung zur Wirklichkeit.
 Die hämmernden Photonen, die das Bild erzeugen und die Wirklichkeit vermitteln, wirken unabhängig vom Fotografen und schaffen somit eine Qualität, die jenseits jeder künstlerischen Beliebigkeit liegt.
 Der Fotograf gestaltet auf einer völlig anderen Ebene durch die Auswahl des Motivs, der Perspektive und durch das Festlegen der fotografischen Gestaltungsmittel wie Blende, Verschlusszeit und Schärfe.
 Die Authentizität, die durch diese Art Schöpfungsprozess erzeugt wird, bleibt davon unangetastet, selbst wenn das so entstandene Bild noch nicht das endgültige ist.

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